Golfverletzungen und ihre Prävention
Golf gilt gemeinhin als harmloser Sport, aber wer regelmäßig spielt, weiß es besser. Der Schwung belastet Gelenke, Muskeln und Sehnen auf eine Art, die sich bei mangelnder Vorbereitung früher oder später in Schmerzen niederschlägt. Profispieler wie Tiger Woods und Rory McIlroy haben ihre Karrieren durch Rücken- und Kniebeschwerden unterbrochen gesehen — ein Beweis dafür, dass selbst technisch makellose Schwünge das Körpergewebe ermüden können. Für Amateure, die ohne Coaches und Physiotherapeuten auskommen müssen, ist Prävention umso wichtiger.
Der Rücken: häufigste Problemzone
Schmerzen im unteren Rücken betreffen schätzungsweise mehr als die Hälfte aller Golfspieler irgendwann in ihrer Spielerkarriere. Der Grund liegt in der Rotationsdynamik des Schwungs: Beim Durchschwingen dreht sich die Wirbelsäule mit erheblicher Kraft, während die Hüften bereits nach vorne rotiert haben. Diese Scherbelastung trifft vor allem die Bandscheiben der Lendenwirbelsäule.
Präventiv helfen vor allem zwei Maßnahmen. Erstens eine bewusste Kräftigung der Rumpfmuskulatur — nicht durch Sit-ups, die die Lendenwirbelsäule belasten, sondern durch Planks, Pallof-Presses und Bird-Dog-Übungen, die tiefe stabilisierende Muskeln ansprechen. Zweitens eine verbesserte Hüftmobilität: Wenn die Hüften frei rotieren können, muss die Wirbelsäule weniger Rotationsarbeit übernehmen. Wer seinen Rücken schonen möchte, sollte außerdem eine Trolley statt einer Tragetasche nutzen — das scheinbar harmlose einseitige Schleppen von zehn bis fünfzehn Kilogramm über vier Stunden summiert sich erheblich.
Golferellenbogen und Tennisellenbogen
Der medizinische Begriff lautet mediale Epikondylitis für den Golferellenbogen und laterale Epikondylitis für den Tennisellenbogen — beide kommen beim Golf vor, wenn auch mit unterschiedlichen Häufigkeiten. Der Golferellenbogen betrifft die Innenseite des Ellenbogens und entsteht durch wiederholte Beugung des Handgelenks beim Treffmoment. Der Tennisellenbogen, an der Außenseite, tritt häufiger beim Putten oder bei Spielern auf, die zu stark mit der Außenhand greifen.
Ursache ist oft technischer Natur: ein zu steifes Handgelenk im Durchschwung, ein zu fester Griff oder das häufige Treffen hinter den Ball beim Einschlag. Gerade Amateure, die auf harten Böden spielen und den Ball beim Abschlag leicht verpassen, belasten die Sehnenansätze weit stärker als nötig. Abhilfe schafft zunächst eine gründliche Griffdruckkontrolle — Ben Hogan beschrieb den idealen Griff als so fest wie ein Vogel, den man nicht fallen lassen will, aber auch nicht quetschen. Zusätzlich empfehlen Sportmediziner exzentrische Übungen für die Unterarmmuskeln, etwa langsame Handgelenksextensionen mit kleinen Gewichten.
Handgelenk und Unterarm
Das Handgelenk absorbiert beim Treffmoment Kräfte, die ein Mehrfaches des Körpergewichts erreichen können. Sehnenscheidenentzündungen und De-Quervain-Syndrome — eine Entzündung der Sehnen an der Daumenwurzel — gehören zu den typischen Folgen übermäßigen Trainings oder falscher Griffhaltung. Besonders gefährdet sind Spieler, die den Griff zu sehr in die Finger legen, anstatt ihn quer über die Handfläche zu führen, sowie solche, die bei kühlen Temperaturen ohne ausreichendes Aufwärmen beginnen.
Prävention bedeutet hier: maßvolle Progression beim Trainingsvolumen, regelmäßige Dehnübungen für Beuger und Strecker des Unterarms und — bei ersten Beschwerden — konsequente Pause statt Durchspielen. Bandagen können kurzfristig entlasten, ersetzen aber keine Behandlung.
Schulterverletzungen
Die Schulter trägt die gesamte Länge des Abholens und Durchschwingens. Rotatorenmanschetten-Beschwerden sind im Golf weniger häufig als im Baseball oder Schwimmen, aber keineswegs selten. Typischerweise entsteht der Schaden durch das Überholbewegung am Ende des Durchschwungs, wenn die führende Schulter stark nach innen rotiert und der Arm dabei abgebremst wird.
Krafttraining für die Rotatorenmanschette — External-Rotation-Übungen mit Theraband oder Kurzhantel — gehört für jeden Golfer ab vierzig Jahren in das Wochenprogramm. Die Übungen sind unspektakulär, der Effekt aber klar dokumentiert: stärkere Schulterblattfixatoren und Außenrotatoren reduzieren das Risiko einer Supraspinatustendinopathie nachweislich.
Knie und Hüfte
Kniebeschwerden entstehen beim Golf oft schleichend. Das vordere linke Knie (bei Rechtshändern) ist beim Durchschwung erheblichen Rotationskräften ausgesetzt, insbesondere wenn der Spieler die Ferse beim Rückschwung auf dem Boden hält. Ältere Spieler mit beginnender Kniearthrose sollten die Ferse beim Rückschwung bewusst heben dürfen — die klassische Swing-Technik aus der Vor-Stahlschaft-Ära war anatomisch mit mehr Körperbewegung verknüpft, die das Knie entlastete.
Hüftprobleme — vom FAI (femoroazetabuläres Impingement) bis zur Hüftbeuger-Tendinopathie — treten besonders bei Spielern auf, die sehr tief und steil in den Hüften sitzen oder einen extrem flachen Angriffspunkt suchen. Regelmäßige Hüftöffner und Pigeon-Pose-Dehnungen helfen, die Beweglichkeit zu erhalten und die Belastungsspitzen zu reduzieren.
Prävention als Investition
Die wichtigste Erkenntnis aus der Sportmedizin lautet: Die meisten Golfverletzungen sind keine Unglücke, sondern das Ergebnis akkumulierter Belastung ohne ausreichende Regeneration. Wer drei Runden pro Woche spielt und dazu noch täglich auf der Driving Range steht, ohne Kraft- und Mobilitätstraining einzuplanen, riskiert chronische Überlastungsschäden.
Ein vernünftiges Präventionsprogramm umfasst fünf bis zehn Minuten dynamisches Aufwärmen vor jeder Runde — Hüftkreisen, Schulterrotationen, Rumpfrotationen mit dem Schläger — sowie zwei bis drei kurze Kraftsessions pro Woche, die gezielt die golfspezifisch belasteten Strukturen stärken. Ebenso wichtig ist das Abkühlen: Dehnübungen nach der Runde, wenn die Muskulatur warm ist, verbessern die Flexibilität effektiver als kaltes Stretching am Morgen.
Wer beim Erkunden neuer Plätze schon im Vorfeld wissen möchte, welche Geländebesonderheiten ihn erwarten — steile Hänge, lange Wege zwischen den Löchern, hügeliges Gelände — dem hilft die interaktive Karte bei der Planung. Weniger unerwartetes Gelände bedeutet weniger unvorbereitete Belastungen.
Wann zum Arzt
Akute Schmerzen im unteren Rücken, die mit Ausstrahlung in ein Bein verbunden sind, gehören zeitnah untersucht — ein eingeklemmter Nerv heilt ohne Behandlung deutlich schlechter als mit früher Physiotherapie. Sehnenbeschwerden am Ellenbogen, die länger als vier bis sechs Wochen anhalten, sprechen schlecht auf Selbstbehandlung an und erfordern professionelle Beurteilung, gelegentlich auch eine Stoßwellentherapie oder gezielte Infiltration. Das Durchspielen durch Schmerzen ist im Golf eine weit verbreitete und selten sinnvolle Strategie.
Golf soll ein Sport sein, der sich bis ins hohe Alter spielen lässt. Mit der richtigen Körperpflege ist das für die meisten Menschen tatsächlich möglich.