Das Short Game
Warum das Short Game den Unterschied macht
Die Statistiken sprechen eine klare Sprache: Etwa 60 bis 65 Prozent aller Schläge einer Golfrunde fallen innerhalb von 100 Metern zum Loch. Wer auf der Driving Range stundenlang den Driver schwingt, aber Chips, Pitches und Bunker-Shots vernachlässigt, arbeitet an der falschen Baustelle. Das Short Game ist der Bereich, in dem Handicaps wirklich sinken — nicht durch längere Drives, sondern durch die Fähigkeit, von schwierigen Positionen ein Par oder Bogey zu retten.
Profis wie Phil Mickelson, der das kurze Spiel zur Kunstform erhoben hat, verdeutlichen, was möglich ist: Flop-Shots über Hindernisse, kontrollierte Bump-and-run-Varianten auf festen Böden, Spinner aus dem Rough. Die Technik dahinter ist erlernbar — aber nur, wenn man die grundlegenden Prinzipien wirklich versteht.
Chipping: Die Basis des Up-and-Down
Ein Chip ist ein niedriger, rollender Schlag von nah am Grün, bei dem der Ball kurze Zeit in der Luft ist und dann den größten Teil des Weges rollt. Das Grundprinzip lautet: so wenig Luft wie nötig. Wer einen einfachen Chip mit einem Wedge ausführt, wenn ein 8-Eisen denselben Effekt mit mehr Kontrolle erreichen würde, macht sich das Leben unnötig schwer.
Die Schlüsselelemente sind eine enge Standfußposition, Gewicht auf dem vorderen Fuß, Hände leicht vor dem Ballmittelpunkt und eine pendelnde Bewegung ohne aktiven Handgelenkeinsatz. Der Treffmoment entscheidet: Wer die Bahn zu früh absenkt oder versucht, den Ball in die Luft zu heben, schlägt fettig oder dünn. Das Spiel mit verschieden loftierten Clubs für unterschiedliche Rollverhältnisse ist eine Fertigkeit, die durch Wiederholung entsteht.
Pitching: Kontrolle über Distanz und Höhe
Pitches unterscheiden sich vom Chip darin, dass der Ball weiter fliegt und weniger rollt — sie werden eingesetzt, wenn zwischen Ball und Fahne Hindernisse liegen oder das Grün wenig Auflauffläche bietet. Hier kommt der Handgelenkseinsatz ins Spiel, allerdings kontrolliert und rhythmisch.
Entscheidend ist das Verständnis von Spin: Ein Pitch mit einem 56- oder 60-Grad-Wedge auf gut gepflegtem Rasen kann erheblichen Rückspin erzeugen, wenn Ball und Grooves sauber sind und der Treffmoment stimmt. Auf hartem, trockenem Boden oder aus längerem Rough reduziert sich der Spin drastisch, und der Ball läuft nach dem Aufkommen weiter. Wer das nicht einkalkuliert, schießt regelmäßig über die Fahne.
Distanzkontrolle beim Pitch kommt fast ausschließlich aus der Länge des Backswings, nicht aus dem Krafteinsatz. Eine Methode ist das Gedankenmodell der Uhrzeigerpositionen: Backswing bis 7 Uhr, 8 Uhr, 9 Uhr entsprechen bestimmten Distanzen mit demselben Wedge — konsequentes Üben baut das Gefühl dafür auf.
Der Flop-Shot: Werkzeug für Extremsituationen
Der Flop-Shot ist das Spektakulärste im Short-Game-Repertoire und gleichzeitig das riskanteste. Das Clubface wird stark geöffnet, der Griff nach links verdreht, und mit einem langen, aggressiven Swing wird der Ball steil nach oben gespielt, um kurz hinter der Fahne zu stoppen. Auf festem Untergrund oder aus kurz gemähtem Rough funktioniert er zuverlässig — aus tiefem, nassem Rough oder auf Hardpan ist er eine Risikoabwägung.
Die meisten Amateurgolfer greifen zu früh zum Flop-Shot. Eine flachere Variante mit mehr Roll ist in den meisten Situationen die klügere Wahl. Der Flop gehört ins Repertoire, aber nicht als erste Option.
Bump-and-Run: Die unterschätzte Alternative
Auf festen Fairways, in links-artigen Bedingungen oder wenn der Wind eine hohe Flugbahn bestraft, ist der Bump-and-run oft die beste Option. Das Konzept ist einfach: ein mittellanges Eisen, ein Putting-ähnlicher Schwung, und der Ball rollt den Großteil des Weges. Auf britischen und irischen Courses ist diese Variante nicht nur üblich, sondern notwendig — wer ausschließlich Hochbälle spielen kann, hat bei Wind und hartem Boden ein massives Problem.
Der Bump-and-run erfordert ein feines Gefühl für die Bodenverhältnisse und das Tempo des Grüns. Er lässt sich schlecht aus Zuhause simulieren, aber auf dem Platz trainieren.
Mentale Seite des Short Games
Kein anderer Bereich des Golfsports ist so stark von Angst geprägt wie das kurze Spiel. Die Chipping-Yips — unkontrollierte, ruckartige Bewegungen beim Chip — betreffen Golfer aller Spielstärken und entstehen durch Überdenken und Anspannung. Das Gegenmittel ist Routine: dieselbe Vorbereitungssequenz vor jedem Schlag, Fokus auf einen Zielpunkt auf dem Grün statt auf die Fahne, und die Akzeptanz, dass der erste Aufkommen-Punkt wichtiger ist als der Endpunkt.
Profis wie Seve Ballesteros, der legendär für seine Fähigkeit war, aus unmöglichen Positionen den Ball zu retten, haben demonstriert, dass kreatives Short Game mehr ist als Technik — es ist eine Geisteshaltung. Ballesteros sah jeden Chip als eigene kleine Herausforderung, nicht als Strafe für einen schlechten Vorschlag.
Üben mit System
Das größte Problem beim Short-Game-Training ist die fehlende Struktur. Auf dem Übungsgrün zufällig Chips zu schlagen, bringt wenig. Effektiver ist es, Situationen zu simulieren: dreimal Up-and-Down aus demselben schwierigen Lie, verschiedene Distanzen mit demselben Wedge, Treffmoment-Drill mit einem Handtuch unter dem hinteren Arm.
Auf der interaktiven Karte lassen sich Golfplätze in der Nähe finden, viele davon mit Übungsanlagen, auf denen das Short Game unter realen Bedingungen trainiert werden kann. Die meisten Plätze mit Chipping-Area und Bunker-Übungsbereich sind auf der Karte verzeichnet.
Bewertung und Fortschritt
Der beste Maßstab für das Short Game ist die Up-and-Down-Rate: Wie oft gelingt es, aus einer Position rund ums Grün in zwei Schlägen ins Loch zu kommen? Profis auf der PGA Tour schaffen das rund 60 Prozent der Zeit. Für einen Amateurgolfer mit Handicap 18 ist eine Rate von 35 bis 40 Prozent ein realistisches und ambitioniertes Ziel. Das Tracking dieser Zahl über mehrere Runden zeigt, ob das Training wirklich wirkt — und motiviert zur konsequenten Arbeit am wichtigsten Teil des Golfspiels.