Den Schläger greifen
Ben Hogan hat in seinem Buch 'Five Lessons' dem Griff das erste Kapitel gewidmet und dabei eine These aufgestellt, die von nahezu jedem erfahrenen Golflehrer seitdem bestätigt wurde: Ein schlechter Griff macht einen guten Schwung unmöglich. Das klingt übertrieben, ist aber aus biomechanischer Sicht korrekt. Die Art, wie die Hände den Schläger halten, bestimmt, in welchem Winkel das Schlägerblatt beim Treffmoment steht, und damit ob der Ball gerade, links oder rechts fliegt.
Warum der Griff so grundlegend ist
Der Griff ist die einzige physische Verbindung zwischen Spieler und Schläger. Alle Kraft, Richtung und Timing, die der Schwung erzeugt, müssen durch diese Verbindungsstelle übertragen werden. Ein zu fester Griff verspannt die Unterarme und verhindert die freie Rotation der Handgelenke — die Quelle von Schlägerkopfgeschwindigkeit. Ein zu lockerer Griff führt zu unkontrollierten Blattbewegungen beim Treffmoment.
Dazu kommt die Frage der Griff-Neutralität: In welchem Verhältnis stehen linke und rechte Hand zueinander? Eine zu stark nach links gedrehte linke Hand ('schwacher' Griff) fördert eine offene Blattstellung und damit Slice. Eine zu stark nach rechts gedrehte Hand ('starker' Griff) fördert eine geschlossene Blattstellung und Draw oder Hook. Weder 'stark' noch 'schwach' ist per Definition falsch — viele der besten Spieler der Geschichte hatten deutlich starke Griffe —, aber der Griff muss zur Schwungbahn passen, um konsistente Schläge zu produzieren.
Der Vardon-Griff (Überlappungsgriff)
Der am weitesten verbreitete Griff im Golf ist der Überlappungsgriff, benannt nach Harry Vardon, dem englischen Spieler, der ihn zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts popularisierte. Dabei liegt der kleine Finger der rechten Hand (bei Rechtshändern) zwischen Zeige- und Mittelfinger der linken Hand oder auf dem Zeigefinger.
Der Überlappungsgriff ermöglicht eine gute Einheit beider Hände, ohne dass die Handflächen zu weit auseinander liegen. Die meisten Tour-Profis verwenden eine Variante dieses Griffs. Tiger Woods und Rory McIlroy gehören beide zu den Varidon-Griff-Spielern; allerdings unterscheiden sich die genaue Platzierung der Hände und der Griffdruck erheblich zwischen Spielern.
Der Baseball-Griff (Zehner-Finger-Griff)
Der sogenannte Zehnfinger-Griff oder Baseball-Griff hat beide Hände vollständig am Griff, ohne Überlappung. Er gilt als Anfängergriff, ist aber keineswegs nur für Einsteiger geeignet. Spieler mit kleinen Händen, arthritischen Fingergelenken oder geringer Handkraft greifen oft auf diesen Griff zurück, weil er mehr Halt bietet.
Der bekannte Tour-Spieler Bob Estes hat jahrelang auf PGA Tour-Niveau mit einem Zehnfinger-Griff gespielt. Auch der Golfpädagoge Dave Pelz empfiehlt ihn für bestimmte Spielerprofile. Das Argument gegen ihn — mangelnde Einheit der Hände — ist in der Praxis weniger gravierend als oft behauptet, solange die Griffplatzierung relativ zum Schaft konsistent ist.
Der Interlocking-Griff
Beim Interlock-Griff verhaken sich der kleine Finger der rechten Hand und der Zeigefinger der linken. Jack Nicklaus spielte sein gesamtes Leben mit diesem Griff, ebenso Tiger Woods — was erklärt, warum er manchmal fälschlicherweise als 'Machtgriff' bezeichnet wird. Der Griff eignet sich besonders für Spieler mit kleineren Händen, da er die Hände enger verbindet und ein Verrutschen der Handflächen beim Schwung verhindert.
Der Nachteil: Bei zu festem Griff kann der Interlock Druck zwischen den verhakten Fingern erzeugen, was bei langen Runden zu Blasen führt. Spieler mit großen Händen empfinden ihn oft als unnatürlich einengend.
Griffdruck: das unterschätzte Element
Hogan beschrieb den idealen Griffdruck mit dem Bild eines kleinen Vogels — fest genug, dass er nicht wegfliegt, sanft genug, dass er nicht zerquetscht wird. Diese Formulierung hat Eingang in fast jeden Golf-Lehrbuch gefunden, weil sie das Prinzip treffend erfasst: Muskelspannung im Unterarm reduziert Handgelenkflexibilität und damit Schlägerkopfgeschwindigkeit.
Ein praktischer Test: Wenn man nach einem Abschlag die Hände öffnet und die Innenflächen gerötet sind, war der Griff zu fest. Sam Snead, bekannt für seine entspannte Schwungdynamik, soll gesagt haben, er halte den Schläger so, als wolle er verhindern, dass er einem schlafenden Kind aus der Hand gleitet.
Griffplatzierung: Finger oder Handfläche
Wo genau der Griff des Schlägers in der Hand liegt, beeinflusst maßgeblich die Griffdynamik. Ein Griff, der quer über die Handfläche der linken Hand liegt ('palmarer Griff'), bietet Stabilität auf Kosten von Handgelenkflexibilität — sinnvoll beim Putten, weniger beim Vollschwung. Ein Griff, der eher in den Fingern liegt ('digitaler Griff'), ermöglicht freiere Handgelenkbewegung, erfordert aber mehr Kontrolle.
Die meisten Tour-Profis tragen den Griff auf der linken Hand diagonal über die Mittelglieder der Finger bis zum Ballen unter dem kleinen Finger — eine Kombination aus Handfläche und Fingern, die Stabilität und Flexibilität verbindet.
Handschuh und Grifferneuerung
Ein abgenutzter Griff am Schläger zwingt den Spieler unbewusst dazu, fester zu greifen, um Verrutschen zu verhindern. Das ist ein verbreitetes Problem: Viele Amateure spielen mit Griffen, die seit Jahren nicht ersetzt wurden. Grifferneuerung kostet pro Schläger zwischen drei und acht Euro — eine vernachlässigbar kleine Investition, die messbare Auswirkungen auf die Griffdruckkontrolle hat.
Der Handschuh — fast ausschließlich an der führenden Hand getragen — ergänzt den Griff durch zusätzliche Haftung, besonders bei Feuchtigkeit. Lederhandschuhe bieten das beste Gefühl, verschleißen schneller und werden bei Nässe rutschig. Synthetische Handschuhe sind wetter-robuster, haben aber meist weniger taktiles Feedback.
Griff als Ausgangspunkt jeder Technikarbeit
Wer technische Probleme im Schwung lösen möchte — chronischer Slice, unregelmäßige Ballhöhe, Verlust von Distanz —, sollte immer beim Griff beginnen. Ein Golflehrer, der fünfzig Minuten Schwingtechnik korrigiert, ohne vorher den Griff geprüft zu haben, arbeitet möglicherweise gegen sich selbst. Ein gut platzierter, neutraler Griff mit kontrollierbarem Druck ist die Basis, ohne die alle anderen Korrekturen auf wackligem Fundament stehen.
Die interaktive Karte zeigt Plätze weltweit — wer seinen Griff verbessert hat, wird den Effekt am besten auf einem guten Platz in der Praxis testen.