Chippen und Pitchen
Was unterscheidet Chip und Pitch?
Im deutschen Golfalltag werden Chip und Pitch oft synonym verwendet — ein Fehler, der zu ungenauen Schlagbildern und falschen Clubwahlen führt. Der Chip ist ein Niedrigflugschlag mit einer kurzen Flugphase und einem langen Rollanteil. Er wird gespielt, wenn zwischen Ball und Fahne viel Grün liegt, das bespielt werden kann. Der Pitch hingegen ist ein höherer Schlag mit mehr Backspin und kurzem Rollverhalten — er wird gebraucht, wenn ein Hindernis überwunden werden muss oder die Fahne nahe am Ball liegt und wenig Rollraum bleibt.
Die Wurzel des Missverständnisses liegt im Schläger: Viele Golfer greifen reflexhaft zum Sand Wedge oder Lob Wedge, wann immer sie sich auf kurzem Abstand zum Grün befinden. Das ist in vielen Situationen die schwierigere Wahl. Phil Mickelson mag sein 64-Grad-Lob-Wedge in beinahe jeder Situation einsetzen — für den Durchschnittsspieler ist ein 8er-Eisen oder 9er-Eisen beim Chip oft die konstantere und kontrolliertere Option.
Die Technik des Chips
Ein guter Chip beginnt mit der Ballposition: etwas zurück im Stand, nah an der hinteren Ferse, was automatisch einen steileren Anstellwinkel und eine abwärtsgerichtete Schlagbewegung erzeugt. Das Gewicht liegt zu etwa 70 Prozent auf dem vorderen Fuß und bleibt dort während des gesamten Schwungs. Die Handgelenke bleiben weitgehend passiv — es ist ein Schulterschlag, keine Handgelenksaktion.
Die Distanzkontrolle beim Chip folgt der gleichen Logik wie beim Putten: Größe der Schwungbewegung bestimmt die Weite. Ein Chip mit einem 9er-Eisen über drei Meter Flug landet auf dem Grün und rollt noch sechs bis acht Meter weiter. Dasselbe Schlagbild mit einem Sand Wedge produziert deutlich weniger Roll. Der Schlüssel ist, diese Verhältnisse für die eigene Spielweise zu kennen und zu trainieren — nicht zu erraten.
Pitchtechnik und Distanzkontrolle
Der Pitchschlag erfordert mehr aktive Handgelenksbewegung als der Chip, ohne dabei die Kontrolle zu verlieren. Eine häufige Fehlerquelle ist das Zögerlichkeitsphänomen: Der Spieler hält den Schwung zurück, während er nach vorn trifft, was zu dünnen oder gefetteten Bällen führt. Stattdessen sollte der Schwung gleichmäßig beschleunigen — kurzer Rückschwung, feste Durchschwungbewegung.
Die Loft-Gapping-Technik ist beim Pitchen besonders wertvoll. Statt für jede Distanz einen neuen Schwung zu erfinden, variiert der erfahrene Spieler den Schlägerloft und hält den Schwung konstant. Ein halber Schwung mit dem Pitching Wedge (ca. 46 Grad) produziert eine andere Distanz als derselbe Schwung mit dem Gap Wedge (ca. 52 Grad) oder dem Sand Wedge (ca. 56 Grad). Wer seine drei oder vier Wedges mit einem Halbschwung und einem Dreiviertelchwung beherrscht, hat eine Palette von sechs bis acht verlässlichen Distanzen zur Verfügung.
Spin und Landeverhalten
Backspin beim Pitch ist kein Selbstzweck — er dient dazu, den Ball kontrolliert zum Halten zu bringen. Auf trockenen, festen Grüns landet ein angeschnittener Pitchschlag mit hohem Spin und bleibt schnell liegen. Auf weichen, nasseren Grüns ist weniger Spin notwendig, weil der Ball ohnehin weniger Rollneigung hat.
Sauber getroffene Bälle, bei denen das Eisen direkt auf den Äquator des Balles trifft und ein komprimierendes Divot nach dem Ball hinterlässt, erzeugen von Natur aus mehr Spin. Dieser so genannte 'descent angle' — der Auftreffwinkel des Schlägers — ist entscheidend: Zu flach bedeutet weniger Spin und mehr Tops; zu steil bedeutet Gefahr, den Ball zu fetten. Eine leicht steile Schlagbahn, die ein klares Divot vor dem Ball hinterlässt, ist der Idealfall.
Häufige Fehler und ihre Ursachen
Das 'Chunken' — also das Fetten des Chips — entsteht meist durch eine zu weit vorn positionierte Ballposition oder dadurch, dass das Gewicht auf dem hinteren Fuß bleibt. Der Schläger trifft zuerst den Boden, nicht den Ball. Die Korrektur ist simpel: Ball zurück in den Stand, Gewicht auf den vorderen Fuß verlagern.
Das Thinnen — der berüchtigte Skuller, bei dem der Schlägerrand den Ball auf halber Höhe trifft — kommt meist aus einer Hebebebewegung des Oberkörpers im Durchschwung. Der Kopf steigt zu früh, die Schultern ziehen hoch, und der Schläger trifft nicht unten am Boden, sondern in der Mitte des Balls. Das Drillmittel: Ein Tuch oder ein Handtuch, das unter den vorderen Arm geklemmt wird und während des Schwungs nicht fallen darf, erzwingt eine kompaktere, körpernahe Bewegung.
Training am Kurzspielplatz
Profis wie Seve Ballesteros, Phil Mickelson oder der frühe Tiger Woods verbrachten mehr Zeit am Kurzspielplatz als am Driving Range. Das ist kein Zufall: Das Kurzspiel entscheidet über Scores. Statistisch betrachtet sind 60 bis 65 Prozent aller Golfschläge in einer Runde Schläge unter 100 Metern — Pitches, Chips, Bunkershots und Putts.
Wer sein Kurzspiel verbessern will, trainiert nicht mit zehn Bällen auf dieselbe Fahne, sondern variiert Lagen, Distanzen und Clubwahlen. Rauhes Rough, enge Lies im abgetretenen Gras, Hanglage von rechts und links — diese realen Bedingungen müssen im Training simuliert werden, weil sie auf dem Platz zuverlässig auftauchen.
Für alle, die neue Plätze entdecken und die Kurzspielqualitäten verschiedener Grünanlagen testen möchten — von links-typischen festen Grüns bis hin zu weichen Parklandgrüns — ist der Blick auf die Karte ein guter Ausgangspunkt. Die Beschaffenheit des Grüns und des umgebenden Rough entscheidet wesentlich darüber, welche Kurzspielstrategie optimal ist.
Das Mentalspiel rund ums Grün
Chippen und Pitchen sind vielleicht die mentalen Bereiche, in denen Angst am deutlichsten sichtbar wird. Der 'Skull' aus drei Metern Distanz, der den Ball ans gegenüberliegende Ende des Grüns schickt, wird von zehnjährigen Amateuren ebenso gefürchtet wie von erfahrenen Einstellern. Die Ursache ist dieselbe: zu viel Nachdenken über den Mechanismus, zu wenig Vertrauen in den Schwung.
Die Lösung liegt nicht in perfekter Technik, sondern in Routine und Wiederholung. Wer hundert Chips pro Woche trainiert, entwickelt ein Muskelgedächtnis, das auch unter Druck abrufbar ist. Wer dagegen nur auf dem Platz chippt und pitcht, trainiert sein Gehirn zur Angst — weil jede neue Situation unbekannt bleibt.