Putten: Die Grundlagen
Putten macht in einer typischen Runde auf Standardhandicap-Niveau zwischen 35 und 40 Prozent aller Schläge aus. Für einen Spieler mit Handicap 18 sind das 36 Putts bei einer Runde von 90 Schlägen – zwei pro Grün im Schnitt, was in der Praxis bedeutet: viele Drei-Putt-Löcher und gelegentliche Ein-Putt-Wunder. Kein anderer Bereich des Spiels hat ein so hohes Verhältnis von Einfluss auf die Scorekarte zu investierter Trainingszeit. Dennoch verbringen die meisten Amateurspieler mehr als 80 Prozent ihrer Übungszeit auf der Driving Range. Wer dieses Missverhältnis umkehrt, sieht die schnellsten Handicapverbesserungen.
Haltung und Mechanik des Putterstrokes
Die Grundhaltung beim Putten beginnt mit den Augen direkt über dem Ball oder leicht innerhalb der Ziellinie. Wenn die Augen zu weit außerhalb der Linie stehen, sieht die Linie verzerrt aus; wenn sie zu weit innen stehen, entsteht eine falsche Ausrichtung des Putters. Eine einfache Prüfmethode: Ball zwischen Augen auf Nasenhöhe loslassen – fällt er auf den gespielten Ball, ist die Position korrekt.
Der Griff beim Putten unterscheidet sich bewusst vom normalen Schwunggriff. Das Reverse-Overlap-Griff (der Zeigefinger der linken Hand liegt über den Fingern der rechten) ist der verbreitetste und neutralisiert die aktive Handgelenksbewegung, die bei langen Schlägern erwünscht ist, beim Putten aber Fehler produziert. Schultergetriebene Pendelbewegung – der Putter schwingt wie ein Pendel mit der Länge konstant und ohne Handgelenksknick – ist das angestrebte Mechanikprinzip.
Abstand zum Ball, Neigung der Wirbelsäule und Griffdruck sind die drei variabelsten Faktoren. Ein zu fester Griffdruck verhärtet die Schulternmuskulatur und tötet das Gefühl. Gary Player beschrieb seinen idealen Griffdruck als 'so fest wie ein nasser Seestern' – locker genug, damit das Gefühl erhalten bleibt, fest genug, um Kontrolle zu haben.
Distanzkontrolle über Richtung
In der Analyse von Amateur-Putten zeigt sich konsistent: Die meisten Fehler entstehen nicht durch Fehlausrichtung, sondern durch falsche Distanz. Ein Putt, der anderthalb Meter am Loch vorbeifährt (zu hart), oder einer, der einen Meter kurz bleibt (zu schwach), ist statistisch häufiger die Ursache für Drei-Putt-Löcher als eine leicht fehlerhafte Linie.
Distanzgefühl beim Putten wird durch Übung mit dem eigenen Körper entwickelt, nicht durch visuelle Kalkulation. Eine nützliche Übung: Putts verschiedener Länge (drei, sechs, neun, zwölf Meter) spielen, ohne den Ball zu beobachten, sondern durch die Länge des Rückwärts- und Vorwärtsschwungs zu steuern. Diese propriozeptive Methode trainiert das Gefühl für Schwungamplitude und erzeugt eine konsistentere Distanzsteuerung als das visuelle 'Abschätzen'.
Das Grün lesen
Bevor der Putter schwingt, muss der Spieler verstehen, wohin der Ball rollen wird. Grüns haben Neigungen in mehrere Richtungen, und ein Putt von sieben Metern kann einen Bogen von 60 Zentimetern oder mehr beschreiben, wenn die Neigung ausreichend stark ist. Das Lesen des Grüns beginnt beim Verlassen des Fairways: schon aus der Distanz erkennt man die generelle Neigung des Grüns und die grobe Richtung des Gefälles.
Nähert man sich dem Grün, gibt der Weg, den das Wasser nimmt, eine zuverlässige Auskunft: Wasser fließt bergab, und der Putt wird in dieselbe Richtung brechen. Auf den Grüns selbst helfen zwei Perspektiven: Einmal von hinter dem Ball (in Richtung Loch schauen) und einmal von der Seite, um die Neigung orthogonal zu sehen. Viele erfahrene Spieler machen eine dritte Beobachtung von hinter dem Loch aus – sie sehen, wie der Ball in der letzten Phase seines Rolls abbiegen wird.
Grain – die Wuchsrichtung des Grases – ist ein Faktor, der auf bestimmten Grasarten (besonders Bermuda-Gras, das in warmen Klimazonen dominiert) erhebliche Auswirkung auf die Rollrichtung und -geschwindigkeit hat. Bermuda-Grass wächst in Richtung Sonnenuntergang und in Richtung Wasser; das Grün wirkt hell, wenn man in Wuchsrichtung schaut (Grain mit), und dunkel dagegen (Grain gegen). Geschwindigkeit des Putts und Brechen werden entsprechend angepasst.
Der mentale Aspekt des Puttens
Putten ist das emotionalste Element des Golfspiels. Ein verpasster Kurzputt auf dem letzten Loch, der ein Bogey zum Double macht, brennt sich ins Gedächtnis. Viele Spieler entwickeln durch akkumulierte Misserfolge beim Putten eine Form von Zögerlichkeit oder Überanalyse, die selbst das Putten schwer macht. Im Fachjargon der Sportwissenschaft ist das ein Beispiel für 'paralysis by analysis'.
Die beste mentale Strategie ist eine klare, kurze Routine vor jedem Putt: Linie lesen, Entscheidung treffen, zu einer Entscheidung stehen. Wer nach dem Lesen des Grüns noch zweifelt und seinen Putt neu beurteilt, verliert das Commitment, das einen sauberen Stroke ermöglicht. Der Putt sollte nach der Entscheidung in unter 30 Sekunden gespielt werden.
Pre-Shot-Routinen der besten Putter der Welt – Brad Faxon, Luke Donald in seiner besten Zeit, Jason Day – zeigen, wie kurz und konsistent ihr Ablauf vor jedem Putt ist. Nicht rituell im Sinne von Aberglauben, sondern als Methode, das Bewusstsein auf den Moment zu fokussieren und störende Gedanken auszuschalten.
Wer die eigenen Putt-Fähigkeiten auf verschiedenen Grüns testen möchte, findet auf der Karte Anlagen mit Übungsgrüns in der Nähe.